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Geschichte des Rübenanbaus in Oberösterreich

 

Das Ende der Monarchie führte Österreich nicht nur in die politische Bedeutungslosigkeit sondern bewirkte auch den Zerfall wirtschaftlicher Verflechtungen, die in den Jahrhunderten zuvor kontinuierlich gewachsen waren. Dies betraf unter anderem auch die Zuckerversorgung Österreichs, die hauptsächlich aus der Slowakei und Mähren erfolgt war.


Erste Bestrebungen

Projekte werden konkret

Gründung der Rübenbauerngenossenschaft

Fabriksbau in Enns

Zuckerrübe ist ideal für Viehhaltungsbetriebe

Rübenanbau wird kriegsbedingt reduziert

Zuckerrübe ist wesentlicher Betriebszweig für Ackerbaubetriebe

Obmänner

Aufsichtsratvorsitzende




Erste Bestrebungen

Vor diesem Hintergrund sind die politischen Bemühungen ab dem Jahre 1920 zu sehen, den bescheidenen Zuckerrübenanbau Österreichs auszuweiten um eine bessere Eigenversorgung zu erreichen. Wie schwierig es war derartige Überlegungen in die Praxis umzusetzen wird durch die mißlungenen Fabriksgründungen in Aurolzmünster, Ranshofen oder Suben belegt. Es mußte nicht nur die Finanzierung des Projektes sichergestellt werden, sondern auch die technischen Voraussetzungen mit den erforderlichen Fachleuten geschaffen werden. Vor allem aber mußten die Bauern zu einem raschen Einstieg in die Rübenproduktion bewegt werden um eine industrielle Verarbeitung zu ermöglichen. So kommt es, daß die Entwicklung des Zuckerrübenanbaues in Oberösterreich eng mit dem späteren Landwirtschaftsminister Florian Födermayr in Verbindung steht. Er war es, der bereits 1920 in Oberösterreich im Rahmen des Landeskulturrates eine Besprechung mit Interessenten zum Rübenanbau abgehalten hat. Weiters wurde ein Rübenbaukomitee eingesetzt. Es sollte eine Zuckerfabrik im Raum Marchtrenk errichtet werden. Diese Bemühungen hatten noch keinen Erfolg, da das notwendige Vertrauen der Bauern in diese neue Produktion noch nicht gegeben war.



Projekte werden konkret

Der Boden in Oberösterreich galt aber ebenso wie das Klima als sehr günstig für den Anbau von Zuckerrüben. Als sich 1927/28 mährische Zuckerindustrielle unter der Führung von Dr. Hans von Redlich und die Creditanstalt für Handel und Gewerbe entschlossen in Oberösterreich eine Fabrik zu errichten, war es wiederum Florian Födermayr, der in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des Landeskulturrates und Nationalrat die Verhandlungen mit den Proponenten führte und dabei die Feststellung der geeigneten Anbaugebiete und auch die Standortwahl maßgeblich unterstützte. Obwohl das erforderliche Startkapital - in der Höhe von 6 Millionen Schilling - gesichert war, wäre auch dieses Projekt beinahe gescheitert, weil von den Bauern niemand die Verantwortung für die Forderung der Zuckerfachleute in den ersten beiden Jahren 2000 Joch Zuckerrüben anzubauen und diese bis zum 5. Jahr auf 5000 Joch auszuweiten, übernehmen wollte.

Die Bewilligung zur Errichtung einer Aktiengesellschaft wurde am 29. Dezember 1928 erteilt. Dem Verwaltungsrat gehörte neben den Hauptaktionären auch Florian Födermayr als Vizepräsident an.



Gründung der Rübenbauerngenossenschaft

Für die Organisation der Rübenlieferung wurde die Rübenbauerngenossenschaft mit einem eigenen Sekretariat zur Förderung des Rübenanbaues gegründet. Zum Obmann wurde Landtagsabgeordneter Martin Obermayr gewählt und Ing. Ferdinand Mischling zum Geschäftsführer bestellt. Es war keine leichte Aufgabe, die Bauern von den Vorzügen des Zuckerrübenanbaues gegenüber Weizen zu überzeugen.



Fabriksbau in Enns

Mit dem Bau der Fabrik wurde sofort begonnen und nach nur zehn Monaten konnte am 25. September 1929 die erste Fuhre mit Rüben in das Betriebsgelände einfahren. Im ersten Jahr wurden 50.300 to aus OÖ und 12000 to aus Zuschub in Enns verarbeitet. Der Preis für den Bauern betrug 5.-- Schilling. Natürlich gab es Anfangsschwierigkeiten. Das Personal war noch nicht gut genug geschult, die Maschinen bereiteten Probleme und die geplante Verarbeitungskapazität wurde bei weitem nicht erreicht. Der Verwaltungsrat reagierte rasch. Das Kapital wurde aufgestockt, neue Maschinen angeschafft, das Personal besser geschult und an die Landwirte wurde Stickstoffdünger ausgegeben. Nach zwei Jahren tauchte auf den Feldern der größte Feind der Zuckerrübe, die Blattfleckenkrankheit auf. Mit Hilfe italienischer Fachleute konnte die Gefahr weitgehend gebannt werden.



Zuckerrübe ist ideal für Viehhaltungsbetriebe

Der Rübenanbau wurde von den Bauern gut angenommen, da er nicht nur eine gute Einnahmequelle bildete sondern auch wertvolles Futter für die Vieh - und Milchwirtschaft lieferte. Bereits im dritten Jahr wurde die für das fünfte Jahr geplante Anbaufläche von 5000 Joch erreicht.
Auch in Niederösterreich und Burgenland sind in dieser Zeit neue Fabriken entstanden und es wurde bereits 1934 infolge guter Ernten bei Zucker die Selbstversorgung erreicht. In der Folge wurden erste Kontingentierungsmaßnahmen ergriffen und der Rübenanbau um 20 % eingeschränkt. Dies führte zu großen Unmut in der Rübenbauerngenossenschaft, weil zuvor eine Abnahmegarantie zugesagt wurde.



Rübenanbau wird kriegsbedingt reduziert

Obwohl die Zuckerfabrik in Enns auch während des Krieges weiter betrieben wurde, sank die Produktion von Jahr zu Jahr und erreichte 1945 das Niveau der ersten Kampagne von 1929.
Die Besatzungsmacht der Amerikaner hatte großes Interesse an einem florierenden Zuckerrübenanbau und stellte für 1946 das Saatgut zur Verfügung. Aber den Bauern fehlte es nach dem Krieg an Arbeitskräften, so daß nur ein Teil der Felder mit Rüben bebaut werden konnte. Der Rübenanbau wurde auf neue Gebiete ausgedehnt und die Anzahl der Rübenbauern stieg von 3000 auf 9000 an. Im Jahr 1949 war das Niveau der Vorkriegsproduktion wieder erreicht und stieg in der Folge von Jahr zu Jahr.
1960 wurde daher wieder eine Kontingentierung der Anbauflächen erforderlich, die bis heute die Basis der einzelbetrieblichen Lieferrechte darstellt.



Zuckerrübe ist wesentlicher Betriebszweig für Ackerbaubetriebe

Der Rübenanbau hat sich in den vergangenen Jahrzehnten durch der technischen Fortschritt von einer reinen Handarbeitsfrucht zu einem vollständig mechanisierbaren Betriebszweig entwickelt. Dadurch ist er in der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Betriebszweigen deutlich gestiegen. Gerade durch die einschneidenden Umwälzungen im Preisgefüge für Agrarprodukte im Zuge des EU-Beitrittes ist der Zuckerrübenanbau für viele Ackerbaubetriebe zum wesentlichsten Einkommens-Bestandteil geworden.
Der Zuckermarkt war bis zum österreichischen EU-Beitritt neben der Kontingentierung einer amtlichem Preisregelung und einem strengen Außenhandelsschutz unterworfen. Diese Regelungen sind auch wesentlicher Bestandteil der EU-Zuckermarktordnung.
Im Zuge des Beitritts wurde Österreich eine nationale Quote von 317 000 to A-Weißzucker zugeteilt. OÖ hält davon 13,8 %.
Es werden derzeit von 1534 aktiven Mitgliedern jährlich ca. 5500 ha Rüben angebaut.



Obmänner
 seit 1929
 

Martin Obermayr
Hörsching
1929 bis 1938
Matthias Hauswirth
St. Florian
1938 bis 1943
Martin Obermayr
Hörsching
1946 bis 1957
Dr. Hans Lehner
Hörsching
1957 bis 1984
ÖR Florian Födermayr
Enns
1984 bis 1992
ÖR Ernst Radlgruber
St. Marien
1992 bis 2002
Dipl.-Ing. Karl Zittmayr
Enns
seit 8.3.2002


Aufsichtsratvorsitzende
 seit 1929
 

Alfons Wagenhofer
Leonding
25.9.1929 bis 31.7.1939
Hans Hehenberger
Alkoven
31.7.1938 bis 27.2.1946
Dr. Hans Lehner
Hörsching
27.2.1946 bis 23.5.1957
Dipl.-Ing. Gerhard Ritzberger
Hörsching
23.5.1957 bis 13.12.1973
ÖR Johann Stadler
Taufkirchen
13.12.1973 bis 9.3.1987
Ernst Rechberger
Feldkirchen
9.3.1987 bis 6.3.1992
Raimund Schneebauer
St.Georgen
6.3.1992 bis 28.2.1997
Gerhard Krawinkler
Hargelsberg
28.2.1997 bis 05.03.2010
Franz Weinbergmair
Krenglbach
seit 05.03.2010




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